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Im Netz der Möglichkeiten

Juni 10 2025
Network illustration

Stabil und flexibel zugleich – das zeichnet ein gutes Netz und auch gute Netzwerke aus.

 

Vor allem wenn sie strategisch aufgebaut und auf Augenhöhe gelebt werden. Richtig genutzt, machen sie Unternehmen resilienter und innovationsfreudiger. PALFINGER geht noch einen Schritt weiter und bindet die unterschiedlichsten Partner in ein durchdachtes Ökosystem ein. 

„Ein starkes Netzwerk reduziert Risiken. Für alle“, sagt PALFINGER CFO Felix Strohbichler. In einer vernetzten Welt sollte das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Die Realität zeigt, dem ist nicht immer so. Andauernd volatile Rahmenbedingungen werden zum andauernden Stresstest für die wichtigen Beziehungsgeflechte. Will man gemeinsam mit den Partnern täglich Mehrwert schaffen, spielen Vertrauen, Zuverlässigkeit und ein hohes Maß an Flexibilität eine zentrale Rolle. „Das gilt es, auch über eine starke Marke und maßgeschneiderte Kommunikation zu transportieren. Ganz besonders in herausfordernden Zeiten“, betont Armin Schlamp, Vice President Corporate Marketing & Communications bei PALFINGER.  

Das Lieferketten-Netzwerk

„Es muss nicht immer ein Schiff im Suezkanal sein. Oder eine globale Pandemie“, sagt Simon Davis, der für PALFINGER die Transformation der Lieferkette – englisch: Supply Chain – vorantreibt. Die Ursachen, die Lieferketten blockieren und Produktionen stilllegen, sind vielfältig. Vor allem aber werden sie stetig mehr. Den volatilen Verhältnissen entgegenzutreten und eine resiliente Wertschöpfungskette zu bauen ist Aufgabe des Supply Chain Management Teams bei PALFINGER. Seit knapp drei Jahren treibt es das strategische Lieferkettenmanagement und damit die Supply Chain Transformation voran. 

GPO als Basis

Das Lieferkettenmanagement baut auf der Global PALFINGER Organization (GPO) auf. Die weltweit ausgerichtete Matrixstruktur verbindet Effizienz, Flexibilität und Marktnähe und fördert die internationale Zusammenarbeit durch einheitliche Prozesse und Standards. Lokale Teams reagieren flexibel auf Kundenbedürfnisse, nutzen dabei globale Expertise und Ressourcen. Diese Vernetzung ermöglicht schnelle Reaktionen auf Marktveränderungen, treibt Innovationen voran und schafft weltweit anwendbare Lösungen. 

Kundenorientiert, resilient und anpassungsfähig 

 

Im Kern, sagt Gerhard Innerlohninger, Head of Global Supply Chain Planning & Performance, muss die Lieferkette „kundenorientiert sein. Wesentlich ist, was unsere Kunden und der Markt brauchen. Zudem muss sie widerstandsfähig und adaptiv, also flexibel, sein. Danach richten wir unsere gesamte Arbeit aus.“ 16 in unterschiedliche Phasen gestaffelte Initiativen gestalten nachhaltige Veränderungen auf Organisations-, Prozess- und Systemebene. Inklusive Aufgaben und Tätigkeiten, die bereichsübergreifend im gesamten Unternehmen stattfinden – von Einkauf und Vertrieb über Produktion und Logistik bis hin zum Finanzmanagement. „Diese Transformation ist der Schlüssel, um langfristig erfolgreich zu bleiben“, erklärt Simon Davis. 

Ein starkes, internationales Netzwerk aus strategischen Partnern

Damit geht ein Strategiewechsel einher: Anstatt Leistungen zuzukaufen, werden sie gemeinsam mit Partnern erarbeitet. Diese Supply Alliances, strategische Partnerschaften, gehen weit über klassische Lieferantenbeziehungen hinaus. Es gilt, sich gemeinsam weiterzuentwickeln, gemeinsam zu wachsen – in einem gemeinsamen Ökosystem. 

Dieser Ansatz führt dazu, dass „wir zukünftig verstärkt internationale Kooperationen aufbauen – mit Partnern, die gemeinsam mit uns mindestens zwei Kontinente abdecken“, betont Gerhard Mühlbacher, der bei PALFINGER Aufbau und Entwicklung von Lieferpartnern verantwortet. 

"Es ist ein partnerschaftliches Vorangehen, von dem beide Seiten profitieren. Das bedeutet zu Beginn oft auch ein intensives Ringen, um sicherzustellen, dass beide bereit sind, gleichwertig in die Partnerschaft zu investieren."

 

Gerhard Mühlbacher,
Head of Supply Partner Development bei PALFINGER

Die Entwicklungsnetzwerke

Sein Gegenstück hat das Lieferantennetzwerk im Feld von Forschung und Entwicklung. Dieses Ökosystem – an dem neben anderen die technischen Universitäten von Wien und Graz, das Austrian Institute of Technology (AIT), das Fraunhofer Institut oder die FH Oberösterreich teilhaben – arbeitet an Innovationen in den Bereichen Autonomie, Konnektivität und Ökoeffizienz.  

„Nach dem Frontrunner-Prinzip übernimmt jeweils eine unserer Produktlinien die Führungsrolle – unterstützt durch zentrale Entwicklungsressourcen und ergänzt um das Know-how externer Partner“, so Sebastian Wimmer, Leiter des ACES-Programms bei PALFINGER, das auf eben diese Autonomous, Connected und Eco-Efficient Solutions fokussiert. Gemeinsam mit Partnern wie dem AIT werden Technologien entwickelt, die Arbeitsprozesse mit Kranen revolutionieren und der Grundstein für Anwendungen in vielen Geschäftsbereichen von PALFINGER sind. 

Autonome Lösungen der Zukunft 

Ausgangspunkt sind immer komplexe Fragestellungen. Zum Beispiel, wie Forstkrane Baumstämme präzise erkennen, wie sich ihre Position genau bestimmen lässt und wie sie effizient zu greifen und abzulegen sind. Daran arbeiten PALFINGER Epsilon und das unternehmenseigene Technologiezentrum Köstendorf gemeinsam mit dem AIT. Das Projekt „Go Autonomous“ geht dabei über die Umgebungserkennung und automatische Verladung hinaus. Mit Erreichen des Autonomie-Levels 4 (siehe Erklärung unterhalb) könnte sich der Bediener parallel um andere Aufgaben kümmern.   

Autonomiestufen

Die Autonomie-Level L1 bis L5 beschreiben den Automatisierungsgrad von Maschinen und Systemen. Sie lassen sich auf verschiedene Bereiche anwenden, darunter Industrie, Robotik, Fertigung und KI-gestützte Prozesse. L1 bis L3 sind heute bereits weit verbreitet, L4 und L5 sind noch in der Entwicklung oder nur in speziellen Umgebungen wie etwa Smart Factorys im Einsatz. (Basis: SAE J3016-Norm der Society of Automotive Engineers)

L1 – Assistierte Automatisierung

Maschine unterstützt, aber Mensch bleibt in Kontrolle.

 

Beispiel: Planung von Kranpositionen.

 

Menschliche Rolle: Operateur muss ständig überwachen und aktiv eingreifen.

L2 – Teilautomatisierung

Maschine übernimmt einzelne Aufgaben autonom, aber Mensch muss überwachen und kann eingreifen.

 

Beispiel: automatische Nivellierung, automatisches Entfalten des Kranarms.

 

Menschliche Rolle: Operateur bleibt aufmerksam, muss in kritischen Situationen übernehmen.

L3 – Bedingte Automatisierung

Maschine führt eine komplexe Aufgabe in definierten Situationen selbstständig aus, kann aber Unterstützung benötigen.

 

Beispiel: Bewegungsplanung, Beschränkung der Bewegung auf Basis der Umgebung oder des Lastimpulses.

 

Menschliche Rolle: Kann sich teilweise zurückziehen, muss jedoch bereit sein, bei Bedarf einzugreifen.

L4 – Hochautomatisierung

Maschine arbeitet weitgehend selbstständig in einem definierten Umfeld ohne menschlichen Eingriff.

 

Beispiel: autonome Maschinen, KI-gesteuerte Diagnosesysteme.

 

Menschliche Rolle: Überwachung aus der Ferne, Eingriff nur in Ausnahmefällen.

L5 – Vollautomatisierung

Maschine arbeitet völlig autonom unter allen Bedingungen, kein menschlicher Eingriff erforderlich.

 

Beispiel: Selbstlernende KI-Systeme zur autonomen Prozessoptimierung, vollautomatisierte Fertigungssysteme, humanoide Roboter mit eigener Entscheidungsfindung.

 

Menschliche Rolle: Keine direkte Steuerung mehr – Menschen agieren nur noch als Entwickler oder Wartungspersonal.

„Die Entwicklung automatisierter Arbeitsmaschinen ist ein zentraler Bestandteil unserer langfristigen Forschungsstrategie“, sagt Manfred Gruber, Head of Competence Unit Assistive & Autonomous Systems bei AIT. Besonders im Outdoor-Transportwesen kommt es oft zu Engpässen, weil Infrastruktur oder Arbeitskräfte fehlen, um Güter rasch zu verladen. Automatisierte Maschinen können hier helfen.  

„Sie überbrücken infrastrukturelle und personelle Lücken, indem sie sogenannte unorganisierte Situationen meistern – also Aufgaben im freien Gelände, wo es weder festgelegte Routen noch Markierungen gibt, insbesondere auch Einsätze in Gefahrenbereichen“, so Gruber.  

Baumstämme präzise erkennen, ihre Position genau bestimmen und sie effizient greifen und ablegen – PALFINGER EPSILON arbeitet gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology an einer autonomen Lösung für Forstkrane.

Nicht nur Forschungspartner sind in die Projektentwicklung eingebunden. Im Zentrum stehen immer die Herausforderungen, denen sich die Kunden gegenübersehen. Ob Kleinunternehmen in Österreich oder große Vereinigungen von Waldbesitzern in Schweden – alle leiden unter dem eklatanten Mangel an gut ausgebildeten Kranfahrern für die Holzernte. Entsprechend groß ist das Interesse an autonomen Systemen. 

"Im Rahmen der Kooperation tauschen wir uns eng mit Kunden wie zum Beispiel dem Forstbetrieb Franz Mayr-Melnhof-Saurau aus. Was wir erarbeiten, wird im Echtbetrieb getestet und erprobt, so erhalten wir wertvolles Feedback. Deswegen beziehen wir über den gesamten Entwicklungsprozess Kunden mit ein. Im Ergebnis ist das eine klare Win-win-Situation."

Sebastian Wimmer,
ACES Program Leader bei PALFINGER

AIT-Forscher Gruber betont den nachhaltigen Effekt von Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft: „Sie stärken die Wettbewerbsfähigkeit der Industriepartner und erweitern die Anwendungsfelder der am AIT entwickelten Technologien. Das treibt den Technologietransfer und die praktische Umsetzung innovativer Lösungen voran und stärkt den Industriestandort.“ 

Gemeinsame Herausforderungen verbinden

Gemeinsame Herausforderungen bieten eine exzellente Grundlage für ein gewinnbringendes Netzwerk. So hat sich PALFINGER im Autonomous Operation Cluster (AOC) mit Ammann, Prinoth, Rosenbauer und TTControl zusammengetan. Gemeinsam entwickeln die Unternehmen Schlüsseltechnologien für den assistierten bzw. autonomen Betrieb von Maschinen und Off-Highway-Fahrzeugen. Egal, ob Baumaschine, Kran, Feuerwehrausstattung oder Pistenfahrzeug – Assistenzfunktionen, die Bediener entlasten und gleichzeitig Produktivität, Effizienz und Sicherheit steigern, sind bei allen Partnern im Fokus. 

Wie aus Forschung Realität wird

Ferngesteuerte Offshore-Krane

Ferngesteuert auf hoher See 

Geht ein Projekt in die Phase der Serienentwicklung über, arbeitet PALFINGER eng mit etablierten Industrie- und Produktionspartnern zusammen. Ein Beispiel dafür ist die langfristig angelegte Kooperation im Bereich Offshore-Krane mit dem norwegischen Öl- und Gasunternehmen Aker BP und Optilift, einem Unternehmen, das auf digitale Lösungen für On- und Offshore-Frachtumschlag spezialisiert ist. 

„Wir haben eine ambitionierte Strategie für den Remote-Betrieb, bei der Krane eine wesentliche Rolle spielen“, sagt Julie Jansen Birkeland, die bei Aker BP für Performance-based Contracts zuständig ist. Und das aus gutem Grund: Auf hoher See sind Krane besonderen Anforderungen ausgesetzt: Extreme Wetterbedingungen, hoher Wellengang, eingeschränkte Sicht und die komplexe Handhabung schwerer Lasten erfordern höchste Präzision. Autonome Lösungen revolutionieren diesen Bereich, indem sie mithilfe von Sensortechnologien und künstlicher Intelligenz kritische Aufgaben übernehmen. Sie kompensieren automatisch Wind- und Welleneinflüsse, erkennen frühzeitig potenzielle Gefahren und arbeiten mit gleichbleibender Effizienz. Das entlastet Bediener, erhöht die Sicherheit und ermöglicht eine zuverlässige, präzise Arbeitsweise selbst unter extremen Bedingungen.

Mit seinen Partnern arbeitet PALFINGER an neuen ferngesteuerten Offshore-Kranen. Insgesamt werden sieben Krane an Aker BP geliefert, von denen fünf vollständig von einem Kontrollraum an Land im norwegischen Stavanger aus gesteuert werden können.

„In unserer Kooperation werden zentrale technische Ressourcen der Partner frühzeitig eingebunden. So schaffen wir die Grundlage für ein robustes, vollelektrisches Standarddesign und die technische Entwicklung des Remote-Betriebs“, so Birkeland. Sie betont die wirtschaftliche Bedeutung der langfristigen Zusammenarbeit: „Tiefes gegenseitiges Verständnis und Wissen ermöglichen ein Produkt mit besserer Leistung und reduzieren langfristig die Betriebskosten.“

Auch Camilla B. Nylund, Managing Director von Optilift, sieht echten Mehrwert in partnerschaftlicher Zusammenarbeit: „Ein kollektiver Ansatz schafft Lösungen, die mehr als die Summe ihrer Teile sind. In der heutigen schnelllebigen Welt ist er essenziell: Die Einbindung in den gesamten Lebenszyklus – von der gemeinsamen Entwicklung bis hin zur Endprodukteinführung – gibt uns entscheidende Einblicke, um Lösungen mit einzigartigem Mehrwert zu schaffen.“

Und was bedeutet das für die Zukunft?

“The entire area of human-machine interaction plays a central role in our R&D activities,” explains Sebastian Wimmer. “Our cooperation with Aker BP and Optilift is one example of this. We are intensively exploring questions such as how the control of our cranes will look in the future, which systems can support or even partially replace the operator.” 

In addition to developing smart technologies, PALFINGER is focusing increasingly on strategic planning. “I can predict quite accurately what I will sell in three months,” says supply chain planner Gerhard Innerlohninger. “But how will the market develop in the long term? Where are new growth markets emerging? Where do I need to adjust production capacities or expand my network?” 

To find answers to such questions, PALFINGER is currently working on an AI-based forecasting model. This heuristic system draws on a large amount of information and data to better forecast, coordinate and plan future projects, customer requirements and necessary sales and partner networks — with unprecedented precision. Another step toward making PALFINGER's networks ever smarter and more resilient. For the benefit of all parties involved.